Interview: Dieter Hundt über Burnout, EEG, Agenda 2010

Hundt wird sein Amt als Arbeitgerberpräsident im November einem Nachfolger übergeben

Themen

In einem Interview der Fachzeitschrift „Betriebspraxis & Arbeitsforschung“ (September-Ausgabe) hat Dr. Dieter Hundt über Themen aus seiner 17-jährigen Amtszeit als Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, BDA, sowie der neuen Legislaturperiode gesprochen. Hundt wird sein Amt im November einem Nachfolger übergeben. Gesprächspartner war auch der Ingenieurwissenschaftler Professor Sascha Stowasser, Direktor des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft, ifaa. Die Fragen stellte Carsten Seim.

Carsten Seim, avaris | konzept: interview mit Dieter HundtMit Nachdruck forderte Hundt im Kontext von Energiewende und EEG-Umlage, „die ungebremste Subventionierung erneuerbarer Energien zügig zu beenden“. Deutschland brauche „international wettbewerbsfähige Strom- und Energiepreise, um seinen industriellen Kern zu sichern“. Die steigenden Energiepreise verunsicherten die Unternehmen sehr. Hundt: „Dies spüren wir bereits jetzt an einer gewissen Investitionszurückhaltung.“

Dr. Dieter Hundt zur Burnout-Debatte: Es sei „falsch, die Ursachen für psychische Erkrankungen vor allem in der Arbeit zu suchen. Im Gegenteil: Arbeit wirkt sich deutlich häufiger positiv als negativ auf die psychische Gesundheit aus.“ Unter Berufung auf Daten des statistischen Bundesamtes erklärte er weiter, dass „90 Prozent der befragten Arbeitnehmer bei uns mit ihrer Arbeit zufrieden“ sind. In manchen Bereichen habe „eine Verdichtung der Arbeit stattgefunden“, erklärte ifaa-Direktor Sascha Stowasser. „Unsere Empirie zeigt aber, dass vor allem auch die gewachsene Reizüberflutung im Beruf und im Privaten, zum Beispiel durch Anrufe oder E-Mails, psychische Belastungen auslöst. Wir müssen lernen, ... Ruhefenster für die Erholung zu finden“, so der Arbeitswissenschaftler.

Dr. Dieter Hundt zum Thema Tarifeinheit: „Es ist eine große Gefahr für die Tarifautonomie in Deutschland, dass die Tarifeinheit noch nicht wiederhergestellt ist. Ich setze auf einen breiten politischen Konsens in der nächsten Legislaturperiode, um die Tarifeinheit gesetzlich zu regeln.“ Sowohl Union … als auch die SPD wollten dies. Hundt kritisierte, dass sich neue Spartengewerkschaften gebildet hätten. Tarifeinheitswidrige Arbeitskämpfe hätten bereits „erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden angerichtet“, so der Arbeitgeberpräsident.

Dr. Dieter Hundt zur Frage nach dem Anteil der Politik an der aktuellen guten wirtschaftlichen Performance Deutschlands: „Auch die Politik hat ihren Anteil an den Erfolgen: Ich nenne die Agenda 2010, mit der Strukturverbesserungen auf dem Arbeitsmarkt verbunden waren. Das hat die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft erheblich verbessert und neue Beschäftigungschancen eröffnet.“ Hundt mahnte aber auch: „Wir dürfen uns aber auf der aktuell guten Arbeitsmarktlage nicht ausruhen.“

Dr. Dieter Hundt ist seit 1996 BDA-Präsident. Die Neuwahl der Verbandsführung findet im Rahmen der BDA-Mitgliederversammlung im November statt. Nach 17 Jahren Amtszeit kandidiert Dieter Hundt nicht erneut für das Amt des Präsidenten. 

Die in Düsseldorf erscheinende Fachzeitschrift Betriebspraxis & Arbeitsforschung wird durch das von den Metallarbeitgeberverbänden getragene Institut für angewandte Arbeitswissenschaft, ifaa, herausgegeben und vom Dr. Curt Haefner-Verlag Heidelberg verlegt. Carsten Seim ist Redaktionsleiter des Fachblattes.


Das komplettes Interview zum Download finden Sie hier: http://bit.ly/180gNYb

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