Interview mit dem Familienunternehmer Ulrich Reifenhäuser

Klares Bekenntnis zum Standort Deutschland - Prozesskette hier unverzichtbar

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Carsten Seim und Leonie Schneider-Kuttig interviewen Ulrich Reifenhäuser

Die eingespielte Prozesskette hierzulande ist für den Spezialmaschinenbauer Reifenhäuser unverzichtbar. Deshalb bleibt das Familienunternehmen mit dem Schwergewicht seiner Aktivitäten am Stammsitz in Deutschland. Das machte Ulrich Reifenhäuser, Geschäftsführender Gesellschafter des weltweit nach Umsatz und Technologie führenden Extruder-Bauers, in einem Gespräch mit Carsten Seim und Leonie Schneider-Kuttig, Vorstandsvorsitzende des Unternehmer-Clubs pro Troisdorf, deutlich.

Wörtlich erklärte der Unternehmer: "Wir betreiben Spezialmaschinenbau und beschäftigen uns mit Einzelaufträgen. Hier erfüllen wir immer wieder neue spezielle Kundenwünsche. Das Wichtigste ist eine gute Kommunikation in der Prozesskette: Vom Auftragseingang über die Konstruktion, von der Arbeitsvorbereitung bis zur Fertigung und zum Vertrieb muss diese nahtlos sowie von gegenseitigem Verständnis, Fachwissen und umfassender Erfahrung geprägt sein. Das Endergebnis aus geformten Metall und Elektronik muss am Ende genau das sein, was der Kunde haben will", betonte Reifenhäuser und fügte hinzu: "Das erreichen wir nur mit einer perfekt eingespielten Struktur, wie wir sie in Troisdorf haben. Die deutsche Kommunikationkette ist nach unseren Erfahrungen unverzichtbar."

Weitere Positionen Ulrich Reifenhäusers aus diesem Gespräch:

Über Unternehmertum allgemein: "Ein guter Unternehmer sollte wissen und fühlen können, wo das eigene Unternehmen steht und was der Wettbewerb macht. Er muss Menschen suchen und finden können, die mindestens so gut sind, wie er selbst. Diese muss er in einer Art und Weise führen, dass sie mit sehr hoher Eigenständigkeit und sehr hohen Freiheitsgraden unternehmerisches Gefühl ausleben können. Gute Familienunternehmer führen im Alltag nicht selbst, sondern coachen ihre Führungskräfte, das zu tun. In kritischen Situationen müssen sie allerdings auch sehr schnell Richtungsentscheidungen treffen können."

Über die Philosophie von Familienunternehmen: "Das familiäre Gefühl macht den Unterschied: Wir führen diese Firma als Inhaber anders als beispielsweise die Verantwortlichen der Hüls AG dies seinerzeit in Troisdorf gemacht haben. Manager in Kapitalgesellschaften wechseln, und wenn ein neuer kommt, muss er vieles anders machen. Unser Unternehmen ist in dritter Generation inhabergeführt: Familie führt; wir denken in Generationen und nachhaltigen Kategorien. Natürlich müssen wir Geld verdienen. Aber bei uns steht nicht der Shareholder-Value im Vordergrund, sondern das Fortbestehen des Unternehmens. Firmeninteresse geht stets vor Eigeninteresse. Nicht die Controller allein dürfen das Sagen haben, Bauchgefühl - und das ist typisch für Familienunternehmen - entscheidet."

Über den Wert von Familienunternehmen im internationalen Wettbewerb: "70 Prozent unserer Kunden kommen aus dem industriellen Mittelstand und sind ebenfalls Privatunternehmer. Oft steht auch hier eine Familie dahinter. „Made in Germany" und „Made by Family" sind von großem Vorteil - auch in China und Amerika. Der Maschinenbau in der Kunststofftechnik weltweit wird in den oberen beiden Dritteln der Pyramide von deutschen Unternehmen dominiert. Im Sockel tummeln sich auch Anbieter aus China und Indien mit sehr günstigen Nachbauten. Der deutsche Kunststoff-Maschinenbau wird nach meiner Einschätzung technologisch weltweit Spitze bleiben."

Über die aktuelle Debatte über Kunststoff: "Natürlich gibt es zum Beispiel im Pazifik große Probleme mit Kunststoff. Diese kommen aber nicht aus unseren Mülltonnen. Ich wünsche mir in der Debatte um Kunststoff eine von zwei Seiten betriebene Aufklärung und mehr Objektivität. Wir haben zum einen eine verzerrte Sicht auf Kunststoff und zum anderen eine verbreitete Technikfeindlichkeit in Deutschland. Letztere ist eine Frage der Erziehung von Kindesbeinen an. ... Kunststoff (ist) ein wunderbar recycelbarer Wertstoff. In Deutschland wird er zu mehr als 95 Prozent bereits wiederverwertet. Er liefert Energie in Müllverbrennungsanlagen, die sonst Öl oder Gas zuführen müssten, um die notwendige Hitze bei der Restmüllverbrennung aufrechtzuerhalten. Und er wird in zunehmendem Maß auch recycelt, um wieder neue Produkte daraus entstehen zu lassen. Kunststoff ist im Vergleich zu Glas wesentlich leichter und auch wesentlich leichter formbar. Die Vor- und Nachteile und auch die Recycelfähigkeit von Kunststoff müssen objektiv diskutiert werden."

Carsten Seim und Leonie Schneider-Kuttig interviewen Ulrich Reifenhäuser

Das Gespräch führten Leonie Schneider-Kuttig und Carsten Seim. Schneider-Kuttig ist Geschäftsführerin der Managementberatung LEO Consult und unterrichtet unter anderem in Führungskräfte-Programmen des International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne. Carsten Seim betreibt die Kommunikationsberatung avaris | konzept. Zu seinen Mandanten zählen das von den Metallarbeitgeber-Verbänden getragene Institut für angewandte Arbeitswissenschaft, ifaa, Unternehmen, Verbände und Institutionen im bundespolitischen Umfeld.

Das gesamte Interview ist hier in einer Printfassung zum Download verfügbar.