Wie privat ist eine Spitzenpolitikerin in Facebook?

Über die Öffentlichkeit in Facebook und grundsätzliche PR-Fragen

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Die Rhein-Zeitung  beschäftigt sich mit der Frage, ob eine rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin in Facebook den Standpunkt vertreten kann, dass sie hier privat auftrete. Stein des Anstoßes: Sie, die hier durchaus bundespolitische Anliegen kommuniziert, wollte nicht ausführlicher zur Zukunft des Nürburgrings Stellung nehmen, denn sie trete hier privat auf.

Zitat: "Weiter kann ich mich hier auf dieser Seite nicht äußern, da dieses meine private Facebook-Seite ist. Für weitere Fragen bitte ich Sie, die Facebook-Seite der Staatskanzlei oder die Kontaktdaten der Staatskanzlei zu verwenden, weil ich meine Funktion als Privatperson und Ministerpräsidentin trennen muss. Ich versichere Ihnen aber, dass das Thema Nürburgring bei uns eine hohe Priorität besitzt."

Diesen Rückzug ins Private nehmen ihr Nürburgring-Fans #fb-öffentlich übel.

Wann ist ein Politiker/eine Politikerin privat und wann ist er/sie dienstlich unterwegs? Diese Frage haben wir immer wieder mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern unserer bundespolitischen PR-Seminare diskutiert. Sie berührt ein diffiziles Spannungsfeld. Wer wie eine Ministerpräsidentin als öffentliche Person auftritt, ist natürlich auch in #fb nicht privat. Im Gegenteil. #fb ist ein Raum mit maximaler Öffentlichkeit. Dies gilt ganz sicher für eine Fanseite.

Malu Dreyer könnte ein persönliches Profil wählen und es lediglich einem geschlossenen Personenkreis zugänglich machen. Dann wüssten "nur" #fb, ihr Freundeskreis und natürlich die #nsa, was sich dort abspielt (es sei denn, deutsche und andere Geheimdienste können mehr, als sie zugeben). Malu Dreyer bespielt jedoch eine Fanseite mit fast 8000 Fans. Und sie tut es dem Medienbericht zufolge selbst. Mit Beiträgen wie zum Beispiel zur #Groko: "SPD hat starke Ressorts und starkes Personal! Glückwunsch an Alle und viel Erfolg!"

Der Fall zeigt, dass "ein bisschen öffentlich" für einen Spitzenpolitiker oder eine Spitzenpolitikerin nicht geht. Ein bisschen öffentlich ist auch beim Stadtbummel oder im Theater eine Fiktion. Umso wichtiger ist es, sich im Vorfeld Gedanken darüber zu machen, welche Konsequenzen es haben kann, wenn man in welcher Art und in welchem Ausmaß auch immer Öffentlichkeit zulässt. Vor allem für alle Politiker, die selbst posten, um „authentisch“ zu sein, gilt: In #socialmedia erlebt Politik eine deutlich unmittelbarere Begegnung mit der Öffentlichkeit, als bisher gewohnt. Nicht jeder ist ein virtuoser digitaler Degenfechter wie Twitter-König #Volkerbeck.

Unvorbereitetete Reaktionen können dann schnell unbeholfen erscheinen und - vergleiche #neuland - lange nachwirken. Weil das Netz ja alles andere als dement ist.

Der vorliegende Fall ist aus Sicht des Verfassers sicher noch keine Kommunikationskrise, aber ein vermeidbares Ärgernis. Er geht jedoch über die Dimension eines Stolperns in ungewohntem Medienterrain hinaus. Die letztlich ungeschickte Reaktion der MP-in verweist darauf, dass es ihr in einer für das Land so symbolträchtigen und vielen wichtigen Frage wie der Nürburgring-Zukunft mglw. an grundlegender PR-Vorbereitung fehlt. Das ist keine Frage des Medienkanals, sondern eine Konzept-Angelegenheit.

Zum Artikel der Rhein-Zeitung.

PS: Malu Dreyer ist eine sympathische Politikerin.

 

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