„So wollen wir leben!“ Unter diesem Titel veröffentlichte eine Gewerkschaft jüngst die Ergebnisse einer Umfrage unter mehr als 450 000 Beschäftigten. Danach ist für 89 Prozent aller Befragten die Jobsicherheit sehr wichtig. Dagegen halten es nur 67 Prozent aller Befragten für „sehr wichtig“, dass ihnen die Arbeit auch Spaß macht. Ähnliche Trends ergeben sich auch unter jüngeren Leuten – Schülern und Studenten. Auch sie setzen der Gewerkschaftsumfrage zufolge die Sicherheit vor den Spaß an der Arbeit. Zitat: „Die Befragten wollen sichere Arbeitsplätze: Jetzt, in der Krise, wollen die Befragten nicht für die Fehler anderer und das Versagen des Marktes bezahlen.“
Die im Umfeld der Konjunkturkrise veröffentliche Umfrage der Gewerkschaft vermittelt damit also ein offenbar weit verbreitetes Bedürfnis nach Sicherheit und in der Interpretation der Absender auch Argwohn gegenüber dem Markt.
Mit dem Spannungsverhältnis zwischen Freiheit und Markt auf der einen Seite sowie dem Bedürfnis nach kollektiver Sicherheit auf der anderen Seite beschäftigt sich Professor Ulrike Ackermann in ihrem Buch „Eros der Freiheit“. Ackermann, die an der SRH Hochschule Heidelberg den Lehrstuhl für Freiheitsforschung innehat, fordert, dass sich die Gesellschaft gerade in Krisenzeiten, wenn die Angst vor der Freiheit zunehme, „der Freiheitstraditionen vergewissern" müsse, "auf denen Demokratie und ein freier Markt basieren".
In ihrem Buch schreibt sie: „Einerseits stolz auf seine Freiheit und Unabhängigkeit und die Fähigkeit, eigenverantwortlich zu handeln, selbst zu entscheiden und sein Glück zu suchen, ringt das Individuum zugleich mit seiner Angst davor. Um sie zu besänftigen und sich zu trösten, wünscht es sich Wärme und Geborgenheit ..., will es erlöst werden von den Qualen und Selbstqualen der Ambivalenz im Diesseits.“ Bob Dylan habe diese Ängste, die ausweislich der aktuellen Gewerkschaftsumfrage aktuell viele empfinden, wie sich an der breiten Forderung nach Sicherheit zeigt, in seinem Lied Like a Rolling Stone thematisiert.
»How does it feel
To be on your own
With no direction home
Like a complete unknown
Like a rolling stone?«
Ackermann interpretiert diesen Text so: „Es ist die Sehnsucht nach Freiheit, nach dem Unbekannten und Offenen und zugleich das Unbehagen und die Angst, in der Weite und Unvorhersehbarkeit der Moderne unter die Räder zu geraten...“
Wie wollen wir also leben?
Friedrich August von Hayek: "Freiheit, die nur gewährt wird, wenn im voraus bekannt ist, daß ihre Folgen günstig sein werden, ist nicht Freiheit. Wenn wir wüssten, wie Freiheit gebraucht werden wird, würde sie in weitem Maße ihre Rechtfertigung verlieren. ... Unser Vertrauen auf Freiheit beruht nicht auf den vorhersehbaren Ergebnissen in bestimmten Umständen, sondern auf dem Glauben, daß sie im Ganzen mehr Kräfte zum Guten als zum Schlechten auslösen wird."
Die Ergebnisse der Gewerkschafts-Befragung finden Sie hier.
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